Gicht Ursachen besser verstehen und gezielt gegensteuern

Bei Menschen die Gicht haben, ist der Harnsäurewert im Blut erhöht.

Harnsäure ist ein Endprodukt des menschlichen Stoffwechsels und wird vom Körper ausgeschieden. Dies erfolgt über die Nieren und den Darm. 

Die Nieren scheiden ca. zwei Drittel und der Darm ein Drittel der Harnsäure aus.

Wenn zu wenig Harnsäure ausgeschieden wird, steigt der Harnsäurewert im Blut.

Durch die erhöhte Harnsäurekonzentration bilden sich Harnsäurekristalle. Etwas ähnliches passiert, wenn Meerwasser verdunstet. Es bilden sich Salzkristalle – wie in den Salinen – wo das Meersalz gewonnen wird.

Die Harnsäurekristalle lagern sich in Gelenken ab. Wenn dann das Immunsystems unseres Körpers diese Kristalle attackiert, kommt es zu einer schweren Entzündung – einem Gichtanfall.

Gicht gilt als eine der schmerzhaftesten rheumatischen Gelenkerkrankungen.

In Deutschland sind ca. 1 Millionen Menschen davon betroffen.

Ca. 80% davon sind Männern. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter deutlich zu. Frauen sind meistens erst nach der Menopause betroffen. Das Östrogen sorgt für einen niedrigen Harnsäurewert.

Was ist Gicht?

 

Welche Formen von Gicht gibt es?

In 99% der Menschen, bei denen ein erhöhter Harnsäurewert festgestellt wird, ist die Ausscheidung der Harnsäure durch die Nieren eingeschränkt. Die Mediziner sprechen von Primärer Gicht.

Nur bei einem 1% liegt ein angeborener Defekt des Stoffwechsels vor, sodass das ein Enzym, das Purine zu Harnsäure abbaut, defekt ist.

Sekundäre Gicht liegt vor, wenn eine andere Erkrankung zu Gicht führt. Zum einen kann die Harnsäureausscheidung vermindert sein z. B. durch:

  • Medikamente, wie Diuretika, das sind Harntreibende Medikamente, die z. B. bei Wassereinlagerungen wie Ödemen verschrieben werden
  • Nierenerkrankungen, d. h. allgemeine Funktionsstörung der Niere
  • Hormonstörungen

Oder im Körper wird übermäßig viel Harnsäure gebildet, das kann u. a. der Fall sein bei:

  • Raschem Zerfall von Tumorzellen bei Leukämie oder Krebstherapie
  • nach chirurgischen Eingriffen
  • Schuppenflechte – Psoriasis

Es ist entscheidend, die Ursache für einen erhöhten Harnsäurewert zu kennen. Denn nur dann kann Gicht erfolgreich behandelt werden. Ich denke es leuchtet ein, dass die Behandlung durch einen Arzt bei einer primären Gicht anders erfolgt, als wenn diese durch eine andere Erkrankung ausgelöst wird.

Wie entsteht Gicht?

Harnsäure an sich ist nichts Schlechtes. Diese Substanz wird wie viele andere auch vom Körper im normalen Stoffwechsel erzeugt bzw. über die Nahrung aufgenommen.

Ist der Körper gesund, wird Harnsäure in der gleichen Menge ausgeschieden, wie sie vom Körper gebildet wird. Es stellt sich ein Gleichgewicht ein.

Dieses Gleichgewicht liegt bei gesunden Menschen bei einem Harnsäurewert von 4 – 5 mg/dl im Blut.

Ein erhöhter Harnsäurewert liegt bei einem Wert, der höher ist als 6,8 mg/dl.

In der medizinischen Fachsprache wird dieser Zustand als Hyperurikämie bezeichnet: hyper = zu viel, uric = Harnsäure, ämie = im Blut.

Liegt die Harnsäurekonzentration dauerhaft über diesem Wert, bilden sich Harnsäurekristalle.

Die Harnsäurekristalle lagern sich im Gewebe des Körpers und besonders häufig in den Gelenken ab.

Im Gewebe bilden sich Knoten, in denen sich die Harnsäurekristalle ablagern. Man nennt diese Gicht-Tophi. Diese sind wenige Millimeter bis zu einem Zentimeter groß.

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Wie verläuft eine Gichterkrankung?

Der Harnsäurewert ist meistens über viele Jahre erhöht, bevor es zu einem Ausbruch der Gicht kommt. Die Gicht schlummert.

Ein erhöhter Harnsäurewert kann bei einer Routine-Untersuchung festgestellt werden.

Man spricht in diesem Stadium von asymptomatischer Hyperurikämie – einer Hyperurikämie ohne Symptome.

Die Kristalle lagern sich in den Gelenken ab. Wenn dann eine Immunreaktion im Körper ausgelöst wird, bildet sich eine starke schmerzhafte Entzündung – ein Gichtanfall.

Das Immunsystem wehrt sich mit ganzer Kraft gegen die Harnsäurekristalle, wie gegen einen fremden Eindringling. Das Gelenk wird rot, schwillt an und schmerzt sehr stark.

Welche Situationen lösen einen Gichtanfall aus?

Der Auslöser für einen Gichtanfall ist oft eine Situation, in der der Körper stark belastet wird. Das kann sein:

  • nach einem Fest mit üppigem Essen und mit zusätzlich reichlichem Alkohol
  • eine Verletzung eines Gelenks durch einen Sturz oder eine Prellung
  • längere ungewohnte körperliche Anstrengung
  • ein heißer Tag, an dem zu wenig getrunken wurde
  • eine intensive Fastenkur

Treten Gichtanfälle auf, sprechen Ärzte von symptomatischer Hyperurikämie. Ein erhöhter Harnsäurewert wird durch deutliche Symptome begleitet.

Gelegentlich wird auch der Begriff Urikopathie verwendet (Uriko – Harnsäure, pathie – krankhaft vermehrt).

Zu einem zweiten bzw. weiteren Gichtanfall kommt es oft erst ein oder zwei Jahr später. Zwischen dem ersten und dem zweiten Gichtanfall ruht die Gicht.

Wenn die Gicht nicht behandelt wird und die Lebensweise gleichbleibt, können sich die Gichtanfälle häufen und mehrmals im Jahr auftreten.

Dann besteht die Gefahr, dass die Gelenke dauerhaft beschädigt werden. Es kommt zu einer chronischen Gicht. Die Folgen lassen sich nur schwer rückgängig machen.

Da Gicht meistens behandelt wird, tritt chronische Gicht heute nur noch selten auf.

Neben den Gelenken, wird auch das Herz-Kreislauf-System von Gicht beeinträchtigt und in den Nieren können sich Nierensteine entwickeln. Die Harnsäurekristalle lagern sich an vielen Stellen im Körper ab.

Darum ist eine Behandlung durch einen Arzt sehr wichtig.

Was sind die Ursachen von Gicht?

Wie funktioniert der Harnsäure-Kreislauf?

Oben habe ich beschrieben, dass durch den Stoffwechsel in unserem Körper Harnsäure aus dem Abbau von ‚alten‘ Körperzellen entsteht, und beim Verwerten der Nahrung ebenfalls Harnsäure gebildet wird.

Diese Harnsäure wird über die Nieren und den Darm ausgeschieden.

Man könnte sich fragen, ob die Harnsäure nicht vollständig ausgeschieden wird. Das ist nicht der Fall. Einen Anteil der Harnsäure holt sich der Körper zurück.

Unser Körper ist Weltmeister im Recycling. Was der aus unseren Nahrungsmitteln rausholt und wie wenig er von den wertvollen Substanzen wieder von sich gibt, ist unglaublich.

So ist ein Harnsäurekreislauf entstanden. Die Menge an Harnsäure, die unser Körper haben möchte, bildet den Harnsäure-Pool. So wie in einem Swimmingpool.

Damit das Wasser immer sauber ist, fließt beständig frisches Wasser in den Pool. Das überschüssige Wasser wird abgepumpt, gefiltert und als frisches Wasser zurückgeführt.

Läuft auf einmal mehr Wasser in den Pool, als abgepumpt wird, läuft der Pool über. Oder es wird weniger Wasser abgepumpt, weil der Filter verstopft ist, dann läuft der Pool ebenfalls über.

Den Harnsäure-Pool stelle ich mir so ähnlich vor.

Zeichnung die Harnsäurepool veranschaulicht.

Wodurch wird der Harnsäurespiegel erhöht bzw. verringert?

Es gibt einen beständigen Zufluss von Harnsäure und die überflüssige Harnsäure wird abgepumpt (ausgeschieden).

Wenn der Zufluss und das Ausscheiden in der gleichen Geschwindigkeit erfolgen, bildet sich ein Harnsäurespiegel – Harnsäurewert im Blut – in einer normalen Höhe .

Jetzt kann es zu einem Ungleichgewicht kommen und der Harnsäurewert steigt an, wenn:

  1. der Zufluss von Harnsäure erhöht ist
  2. der Abfluss – die Ausscheidung – von Harnsäure zu gering ist

Die beiden Punkte schauen wir uns etwas genauer an.

Was bremst die Ausscheidung von Harnsäure?

Die Ausscheidung der Harnsäure durch Darm und Niere stellt den Abfluss dar. Zwei Drittel der Ausscheidung erfolgen durch die Niere und ein Drittel durch den Darm.

Bei Menschen mit Gicht ist die Ausscheidung durch die Nieren beeinträchtigt – siehe auch den Abschnitt zu ‚primäre Gicht‘.

D. h. die Menge an Harnsäure ist bei Menschen mit Hyperurikämie aus dem Gleichgewicht.

Es gibt zwei Substanzen, wodurch das Absondern von Harnsäure zusätzlich gehemmt wird, das sind:

  • Alkohol
  • Fructose

Beide Stoffe konkurrieren in den Nieren mit der Harnsäure. Alles muss raus. Das geht eben nicht zur gleichen Zeit, sonder nur ‚entweder / oder‘.

Was ist die Schlussfolgerung? Geben wir dem Körper weniger Alkohol und Fructose auf, hat er mehr Spielraum, um sich der Harnsäure zu entledigen.

Wodurch wird mehr Harnsäure gebildet?

Die erste Quelle von Harnsäure ist der körpereigene Stoffwechsel. Körperzellen werden bei uns ständig auf- und wieder abgebaut. So erneuert sich der Körper innerhalb von sieben Jahren komplett neu.

Beim Abbau der Zellen wird auch die Erbsubstanz, die DNA, die in jeder Zelle vorhanden ist, abgebaut. Die DNA besteht zu einem großen Teil aus sog. Purinen.

Der Abbau von Purinen führt zur Bildung von Harnsäure. Je höher eine Stoffwechselaktivität ist, umso stärker steigt auch der Harnsäurewert, z. B. durch ungewohnt intensiven Sport. 

Bei mir hat längeres Windsurfen in schlecht trainiertem Zustand einen Gicht-Anfall ausgelöst. 

Auch intensives Fasten oder das schnelle Abnehmen von Gewicht kann einen Gicht-Anfall auslösen. 

Hierbei werden Körperzellen in größerem Umfang abgebaut. Dies führt ebenfalls zu einem erhöhten Harnsäurewert und das zu einem Gicht-Anfall.

Die zweite Quelle ist die Nahrung

Purine, die über die Nahrung aufgenommen werden, werden zu Harnsäure abgebaut, was wiederum den Harnsäure-Wert erhöhen kann. 

Das gilt insbesondere für purinreiche Nahrung, wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. 

Das zweite ist Bier. 

Bier enthält Hefe und in Hefe sind jede Menge Purine. Zudem enthält Bier auch Alkohol. Bier ist demnach eine Quelle von Purinen und gleichzeitig vermindert es den Abfluss.

 

 

 

 

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