Akuter Gichtanfall: Was hilft mir gegen die Schmerzen?

Der akute Gichtanfall: Wie wird behandelt und was hilft gegen Schmerz?

Du hast einen akuten (ersten) schmerzhaften Gichtanfall? Du willst dich orientieren, welche Behandlungsmethoden es gibt? Oder du willst verstehen, was dein Arzt dir verordnet hat? Dann solltest Du diesen Artikel unbedingt lesen.

Zu Anfang eine gute Nachricht: Gicht lässt sich heute sehr gut und wirkungsvoll behandeln. Wichtig ist, dass Du selbst schnell ins Handeln kommst. Denn hier gilt: „Wehre den Anfängen“. Das betont auch Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: „Entscheidend ist ein rascher Therapiebeginn“ (3). Dies ist für mich der wichtigste Punkt, den ich Dir heute mitgeben möchte. Vor fünf Jahren hatte ich meinen ersten Gichtanfall. Doch erst, als mir ein Arzt die Zusammenhänge erklärt hat, habe ich verstanden warum. Das werde ich später im Artikel erklären.

Die Behandlung des Gichtanfalls.

Bei Gicht gibt es zwei völlig unterschiedliche Gesichtspunkte, die auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Das eine sind die Schmerzen und die Entzündung während eines Gichtanfalls und das andere ist die Ursache davon, der zu hohe Harnsäurewert. In diesem Artikel geht es um die Behandlung des Gichtanfalls und welche Möglichkeiten Dir heute zur Verfügung stehen. Wie sich der Harnsäurewert dauerhaft senken lässt, wird in einem weiteren Artikel beschrieben. Der akute Gichtanfall lässt sich durch drei Gruppen von Medikamenten lindern.

  1. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Dies ist eine Gruppe von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten. Deren Stärke ist, dass sie schnell wirken. Zu diesen gehören:
    - Ibuprofen
    - Diclofenac
    - Naproxen
    - Indometacin

In erster Linie habe ich bei meinem ersten Gichtanfall bei Schmerztabletten an die schmerzlindernde Wirkung gedacht. Als seien diese Medikamente vorwiegend dazu da, den Schmerz zu betäuben. Tatsächlich steht bei der Behandlung der entzündungshemmende Effekt im Vordergrund. Dieser sorgt dafür, dass sich die Schwellung und Rötung des Gelenks schnell zurückbilden. NSAR werden so lange genommen, bis die Symptome abgeklungen sind. Eine der Nebenwirkungen ist, dass diese aggressiv auf die Magenschleimhaut wirken. Um diese zu schützen, können Omeprazol oder Pantropazol eingenommen werden. Diese drosseln die Säureproduktion im Magen. Das ist aber keine Pflicht.
Innerhalb der NSAR gibt es eine neuere Entwicklung, die COX2-Inhibitoren. Diese wirken ebenfalls schnell und effektiv. Gleichzeitig sind sie für den Magen besser verträglich. Sie sind jedoch kostenintensiver und werden darum vermutlich seltener verschrieben. Ein COX2-Inhibitor ist das Medikament Etoricoxib mit dem Handelsnamen Arocxia.

  1. Cortison

Cortison ist ein körpereigenes Hormon, dass stark entzündungshemmend wirkt. Aus diesem Grund wird es auch als Medikament zur Behandlung von vielen entzündlichen Erkrankungen, wie der Entzündung der Gelenke, eingesetzt. Dazu gehört auch Gicht. Mit Cortison werden insbesondere auch schwere Entzündungen behandelt. Die Wirkung tritt nach 1 – 2 Tagen ein. Es lindert die Schmerzen nicht sofort. Aus diesem Grund wird Cortison häufig mit einem der schmerzstillenden Medikament (NSAR) kombiniert. Ein gängiges Präparat ist Prednisolon. Neben der Form der Tabletten, kann dies auch direkt in das Gelenk injiziert werden.

  1. Colchicin

Colchicin führt bei Gicht zu einem schnellen Rückgang des Gichtanfalls. Es wirkt sehr spezifisch bei Gicht, d. h. andere rheumatische Erkrankungen oder Arthrose werden dadurch nicht gelindert. Es greift in die entzündliche Reaktion unseres Immunsystems ein. Colchizin kann zu Durchfall führen. Diese unangenehme Nebenwirkung ist wird durch eine geringere Dosis erheblich vermindert.

Die Behandlungsmethoden

Diese verschiedenen Behandlungsmethoden werden durch deinen Arzt individuell auf Dich zugeschnitten. Wenn Du Dir nicht sicher bist oder nicht verstehst, was Dein Arzt dir verordnet, bitte Ihn Dir dies zu erklären.
Auch das schonen des Gelenks/der Gelenk, hat eine positiven Einfluss auf den Rückgang der Entzündung. Dazu gehört auch das Hochlagern der Beine, soweit diese betroffen sind und das kühlen der Gelenke mit einem Eispad (7 Sofortmaßnahmen).
Wie oben bereits angesprochen, ist eine zeitnahe Behandlung wichtig. Ein entzündlicher Prozess schreitet fort und verstärkt sich. Je weiter sich die Entzündung entwickelt hat, um so stärker oder länger dauert die anschließende Behandlung durch Medikamente. Wenn du zögerst nimmst Du letztendlich in Summe mehr Medikamente ein, als wenn Du früh gegensteuerst (siehe auch Q&As). Mach Dir bewusst, dass schwere und wiederholte Gichtanfälle die Gelenke nachhaltig schädigen können und sich daraus eine chronische Gicht entwickeln kann.
Bei meinem ersten Gichtanfall habe ich Ibuprofen verschrieben bekommen. Ich dachte, dass dies ausschließlich der Schmerzlinderung dient. Erst später habe ich gelernt, dass die entzündungshemmende Wirkung genauso wichtig ist. Mir war es gar nicht so bewusst, aber meine innere Haltung war, Schmertabletten möglichst zu vermeiden und erst dann zu nehmen, wenn die Schmerzen stark sind. Möglicherweise denkst Du ähnlich.  Das ist eine lobenswerte Haltung. Bei Gicht denke ich inzwischen anders: „Wehre den Anfängen“. Wenn du den Eindruck hast, dass sich ein Gichtanfall anbahnt, ist frühes Gegensteuern sinnvoll. Zieh bitte Deinen Arzt zu Rate.

Die Harnsäuresenkende Therapie

Ist die Behandlung des akuten (ersten) Gichtanfalls auf einem guten Weg, schließt sich eine harnsäuresenkende Therapie an,  entweder durch harnsäuresenkende Medikamente und/oder eine Umstellung der Ernährung (Dos und Don’ts). Welche dieser Alternativen für Dich die richtige ist, hängt u. a. von der Schwere der Krankheit ab, ob Du bereits mehrere Gichtanfälle hattest und andere Krankheiten berücksichtigt werden müssen.  Dies stimme bitte mit deinem Arzt ab.

Falls Du interessiert bist, findest Du hier sehr gute medizinische Fachartikel bzw. die Leitlinien der Allgemeinmediziner und Rheumatologen:

  1. Engel, B.; Prautzsch. H., Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Akute Gicht in der hausärztlichen Versorgung, 2013. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053_032bl_S1_akute_Gicht_2014-05.pdf
  2. Engel, B.; Prautzsch. H., Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Häufige Gichtanfälle und Chronische Gicht in der hausärztlichen Versorgung, 2013. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-032al_S1_Chronische_Gicht_2014-05.pdf
  3. Klitz, U, Alten, R. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.(DGRh), Gichtarthritis (fachärztlich), 2016, 1 – 104. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-005l_S2e_Gichtarthritis_2016-08.pdf
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