Wie setze ich persönlich die Ernährung bei Gicht um?

Wie setze ich persönlich die Ernährung bei Gicht um?

...und was mache ich an Silvester?

Wie ich meinen Harnsäure-Wert durch die Umstellung meiner Ernährung von 7,2 auf 6,2 mg/dl gesenkt habe, habe ich in meinem letzten Blogbeitrag Was kann ich mit einer Ernährungsumstellung bei Gicht erreichen? berichtet.

Du fragst Dich:

  • Wie machst Du das praktisch?
  • Wie sieht Dein persönlicher Speiseplan aus?
  • Was sind Deine Herausforderungen und was fällt dir leicht?

Das will ich Dir an meinem Speiseplan für eine typischen Tag zeigen.

Was ist meine Ausgangslage?

Damit du dir ein Bild von mir machen kannst:

Ich bin 183cm lang, wiege 72 Kg und mache ca. 3 Std. Sport in der Woche. Damit passe ich nicht in das typische Klischee desjenigen, der Gicht bekommt. Das gefällt mir. Denn so geht es vielen anderen auch und es zeigt: in erster Linie ist Gicht eine Störung im Stoffwechsel.

Denn die meisten können Essen und Trinken was sie wollen und bekommen keine Gicht. Dennoch haben wir die Chance, das Risiko an Gicht zu erkranken, durch angemessene Ernährung erheblich zu verringern.

Wenn du schwerer oder leichter bist, passe die Mengen, die ich in meinem Beispiel verspeise, auf dich selbst an. So kannst Du das auf Dich als Idee übertragen.

Was ist mein Ziel?

Mein Ziel ist es meinen Harnsäurewert zu senken und mein Risiko auf Gichtanfälle zu verringern.

Das will ich erreichen, indem ich die Dos und Don’ts umsetze.

Dos

  • Kaffee trinken
  • Vitamin C
  • Fettarme Milch

Don‘ts

  • Wenig Fleisch, Fisch oder Meeresfrüchte
  • Einschränken von Alkohol insbs. Bier
  • Einschränken von Fruchtzucker (Fruktose)

Ein Maßkrug mit Bier

Die Mahlzeiten

Hier habe ich zusammengestellt, was ich über den Tag verteilt esse und trinke:

Das Mittag- und Abendessen variiere ich je nach Angebot und Rezeptideen.

Ich nehme seit einigen Jahren ein gutes Multivitamin Präparat, da ich bequem bin und manchmal zu wenig Obst und Gemüse esse.

Damit habe ich gute Erfahrungen gesammelt. Einfach gesagt, es beruhigt mein Gewissen 😉

Was sind meine Herausforderungen?

Ich habe zwei große Herausforderungen.

Das erste ist die Einschränkung bei Fleisch und Wurst.

Ich habe mein Leben lang jeden Tag Fleisch gegessen - frei nach der Devise: Fleisch ist mein Gemüse.

In einer der Hauptmahlzeiten war immer ein Stück Fleisch, eine Wurst, eine Frikadelle oder Fisch dabei.

Jetzt habe ich das auf max. einmal pro Woche eingeschränkt. Auf Wurst oder Schinken als Aufschnitt verzichte ich weitestgehend, denn Kleinvieh macht auch Mist. Jeden Tag 20 - 30 Aufschnitt x sieben ergeben ca. 200g - dann esse ich lieber ein Schnitzel oder Steak.

Diese Umstellung ist mir sehr schwer gefallen. Gerade Mittags - ich esse in unserer betrieblichen Kantine - ist Fleisch/Fisch ein wichtiger Bestandteil einer Hauptmahlzeit. Ohne Fleisch fehlt einfach was. Jetzt esse ich stattdessen mehr Gemüse und Salat.

Jeder, der Fleisch ist, hat die Erfahrung gemacht, das Fleisch satt macht und lange satt hält. Der Grund ist, dass darin viel Eiweiss (Protein) enthalten ist. Für das Eiweiß aus dem Fleisch habe ich Eiweiss-Shakes als Ersatz gefunden. Diese sättigen gut und füllen die Lücke, die durch das Weglassen des Fleischs im Mittagessen entstanden ist.

Das zweite sind Süßigkeiten. Zwei - drei Portionen Süßes waren für mich normal.

Morgens ein Duplo, am Nachmittag ein Hanuta, abends ein oder mehrere Stück Schokolade: für mich kein Problem.

Auch Kuchen und Kekse gehör(t)en für mich dazu. Auch das ist ein Grund für den Eiweiss-Shake am Vormittag und eine Scheibe Brot am Nachmittag.

Es ist wichtig, dass ich satt werde. Also muss ich genug essen, damit ich keinen Heißhunger auf Süßes bekomme.

Der Verzicht auf Süßes ist eine Willensentscheidung von mir. Das fällt mir sehr schwer. Wenn ich zwei /drei Wochen darauf verzichtet habe, fällt es mir nicht mehr auf.

Was fällt mir leicht?

Das Bier am Freitagabend habe ich weggelassen. Alkohol habe ich ohnehin nicht viel getrunken. Da macht es mir wenig aus, auf Bier zu verzichten. Vitamin C morgens und abends ist auch kein Problem. Die normale Vollmilch habe ich durch fettarme Milch ersetzt. Das ist eine Umgewöhnung, aber nicht dramatisch.

Kann ich Weihnachten/Silvester mal eine Ausnahme machen?

Von Zeit zu Zeit einen "Genusstag" einlegen. Warum nicht zu Silvester?

In einem Artikel hatte ich gelesen, dass Leute, die aus beruflichen Gründen über lange Zeiträume eine strikte Diät einhalten, wie z. B. Profisportler oder Modells, einmal in der Woche oder jede zweite Woche einen "Genusstag" einlegen und bewusst das Essen, was ihnen Spaß macht.

Das habe ich selbst ausprobiert. Dann gehe ich mit meiner Frau Essen und gönne mir z. B. ein gutes Steak oder/und esse ein großes Stück Käsekuchen.

Das ist ein gutes und wichtiges Ventil. Es gibt mir das Gefühl, dass ich auch genießen darf. Oft lege ich diese Tage bewusst auf das Wochenende, wenn wir bei Freunden oder der Familie zum Essen oder im Sommer zum Grillen eingeladen sind.

Das gleiche gilt für Weihnachten oder Silvester. Jetzt weißt du, was ich an Silvester mache: Ich genieße es.

Wenn ich mich sonst an die Diät halte, freue ich mich an diesem Tag auf eine leckere Lammkeule.

Resümee!

Im Alltag ist diese Gicht-Diät eine erhebliche Umstellung für mich. Bei mir kam das in mehreren Phasen.

Zuerst hatte ich meinen Fleischkonsum eingeschränkt. Das mit den Süßigkeiten habe ich seit Januar 2017 umgesetzt. Ein konsequente Diät lebe ich seit August diesen Jahres. Dadurch habe ich meinen Harnsäurewert von 7,2 auf 6,2 mg/dl verringert.

Dass ich das schaffe, beflügelt mich. Es gibt mir Befriedigung zu erleben, wie ich durch mein eigenes Verhalten meinem Körper Gutes tun kann. Dadurch gewinne ich neu Kraft und Motivation an meinem neuen Lebensstil festzuhalten.

Ich würde mich freuen, wenn ich Dich damit motiviere Deine Ernährung selbst umzustellen oder falls Du schon eine Gicht-Diät lebst, Dich ermutige, daran festzuhalten.

Ich bin überzeugt, dass wir damit etwas GUTES tun - für UNS!

 

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2 Kommentare über “Wie setze ich persönlich die Ernährung bei Gicht um?

    • Guten Tag H. Wenetiou

      Das ist eine sehr spannende Frage.
      Sie fragen wieviel Ost und welches Speiseeis sie bei Gicht essen dürfen.

      Bei der Frage nach Speiseeis empfehle ich Ihnen sich nach dem Zuckergehalt zu richten. Die Menge an Zucker ist auf den verschiedenen Produkten ausgewiesen und bietet Ihnen einen guten Hinweis. Je weniger Zucker enthalten ist, desto besser.

      Nun zu dem anderen Teil Ihrer Frage: „Wieviel Obst darf ich bei Gicht essen.“

      Ohne dass ich weitere Begleitumstände von Ihnen kenne, nämlich, wie Sie sich ernähren, ob sie schon mehrere Gichtanfälle hatten, ob sie Medikamente nehmen, kann ich die Frage nur allgemein beantworten.

      In der ernährungswissenschaftlichen Literatur findet sich weder ein positiver noch ein negativer, warnender Hinweis, der die Veränderung des Gichtrisikos durch den Verzehr von Obst beschreibt. Allgemein wird der Verzehr von Obst wird wg. des hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralien empfohlen.

      Wichtig ist zu beachten, dass Obst Fruchtzucker enthält und dieser kann das Risiko von Gicht erhöhen. Darum sind aus meiner Sicht zwei Punkte wichtig.
      Erstens unterscheidet sich der Zuckergehalt in den verschiedenen Obstsorten. Solche mit einem geringen Gehalt an Zucker, wie z. B. Beerenfrüchte, sind vorteilhaft.
      Zweitens ist es wichtig, den gesamten Zuckerhaushalt zu betrachten. Dieser stellt laut Studien einen wichtigen Risikofaktor dar. Jemand wie ich, der selbst viel Süßes gegessen (Kuchen, Schokoriegel) hat, kann durch Verringern der gesamten Zuckerzufuhr, sein Gichtrisiko verringern. Dazu kann auch Obst einen Beitrag leisten.

      Um ihre Frage auf Sie gemünzt, beantworten zu können, wären weitere Informationen über Ihr Ernährungsverhalten hilfreich.

      Vielen Dank für diese interessanten Fragen.

      Jochen Hein

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