Wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurewert?

Wie kommt es zu einem erhöhtem Harnsäurewert?

Bei Menschen die Gicht haben, ist der Harnsäurewert im Blut erhöht.

Wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäure-Wert?
Harnsäure ist ein Endprodukt des menschlichen Stoffwechsels und wird vom Körper ausgeschieden. Dies erfolgt über die Niere und den Darm. In 99% aller Menschen, bei denen ein erhöhter Harnsäurewert festgestellt wird, ist die Ausscheidung der Harnsäure gehemmt. Nur bei 1% liegt ein angeborener Defekt des Stoffwechsels vor.

Im menschlichen Körper gibt es einen Harnsäure-Kreislauf. Dabei wird Harnsäure aus verschiedenen Quellen zugeführt, z. B. durch Essen, und durch die Ausscheidung wieder abgeführt. Es entwickelt sich ein Gleichgewicht. Bei gesunden Menschen führt dies zu einem Harnsäurewert im Blut von 4 - 5 mg/dl. Ein erhöhter Harnsäurewert liegt bei größer als 6,8 mg/dl vor. In der medizinischen Fachsprache wird dies als Hyperurikämie bezeichnet: hyper = zu viel, uric = Harnsäure, ämie = im Blut.

Wie dieser Harnsäure-Kreislauf funktioniert, zeige ich Ihnen anhand des Modells des Harnsäure-Pools auf. Dadurch verstehen Sie, wie es bei ihnen zu einem erhöhten Harnsäure-Wert kommt und sie können erkennen, wo sie an ihrer Ernährung oder Lebensweise etwas ändern können.
Es gibt drei verschiedene Stellschrauben:

     

    1. der Abbau bzw. die Ausscheidung von Harnsäure
    2. der Zufluss von Harnsäure aus unserem körpereigenem Stoffwechsel
    3. der Zufluss von Harnsäure aus unserer Nahrung

       

      I. Der Abfluss ist die Ausscheidung der Harnsäure durch Darm und Niere. Ein Drittel der Ausscheidung erfolgt durch den Darm und zwei Drittel durch die Niere. Bei uns von Gicht bzw. Hyperurikämie Betroffenen ist dieser behindert, d. h. es fließt weniger Harnsäure ab als entsteht. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung dieses Pools.
      Es gibt zwei wesentliche Ernährungs-Faktoren, die diesen Abfluss hemmen: das eine ist Alkohol und das zweite ist Fruktose – beides ab einer gewissen Menge.

      II. Eine der Quellen, die die Zufuhr von Harnsäure erhöht, ist der körpereigene Stoffwechsel. Körperzellen werden bei uns ständig auf- und wieder abgebaut. So erneuert sich der Körper innerhalb von sieben Jahren komplett neu.
      Beim Abbau der Zellen wird auch die Erbsubstanz, die DNA, die in jeder Zelle vorhanden ist, abgebaut. Die DNA besteht zu einem großen Teil aus sog. Purinen. Der Abbau von Purinen führt zur Bildung von Harnsäure.  Je höher eine Stoffwechselaktivität ist, umso stärker steigt auch der Harnsäurewert, z. B. durch ungewohnt intensiven Sport. Bei mir hat längeres Windsurfen in schlecht trainiertem Zustand einen Gicht-Anfall ausgelöst. Auch intensives Fasten oder das schnelle Abnehmen von Gewicht kann einen Gicht-Anfall auslösen. Hierbei werden Körperzellen in größerem Umfang abgebaut. Dies führt ebenfalls zu einem erhöhten Harnsäurewert und das zu einem Gicht-Anfall.

      III. Die zweite Quelle ist die Nahrung. Purine, die über die Nahrung aufgenommen werden, werden zu Harnsäure abgebaut, was wiederum den Harnsäure-Wert erhöhen kann. Das gilt insbesondere für purinreiche Nahrung, wie Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Ich selbst esse sehr gerne Fleisch und habe vor meinem ersten Gicht-Anfall jeden Tag Fleisch gegessen. Heute esse ich sehr viel weniger Fleisch - lieber Klasse statt Masse. Das zweite ist Bier. Bier enthält Hefe und in Hefe sind jede Menge Purine. Zudem enthält Bier auch Alkohol, wirkt also von „beiden“ Seiten.

      Unser Harnsäure-Wert im Blut wird also aus 2 Quellen gespeist und es gibt einen Abfluss.  Unsere Ernährung und körperliche Verfassung bestimmen die Stärke, mit der die Quellen sprudeln. Ebenso wird die "Abflussgeschwindigkeit" von unserer Ernährung beeinflusst.

      0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes

      Schreibe einen Kommentar

      Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.