Wie stark ist der Einfluss der Ernährung auf Gicht? Ein Selbstversuch.

Was kann ich mit einer Ernährungsumstellung bei Gicht erreichen?

Ein Selbstversuch.

Bestimmt hast du dich auch schon gefragt:

  • Was bringt es mir, wenn ich meine Ernährung umstelle?
  • Kann ich meine Gicht damit in den Griff bekommen?
  • Auf was muss ich verzichten - und will ich das überhaupt?
  • Reicht das aus, um meine Medikamente abzusetzen?

Ich beschäftige mich seit Anfang 2016 intensiv mit der Ernährung bei Gicht.

Bei der Theorie will ich nicht stehen bleiben und will wissen: Was kann ICH erreichen?

Wie fing ich an?

in 2015 hatte ich im Abstand von wenigen Monaten drei Gichtanfälle nacheinander.

Zu der Zeit lag mein HS-Wert bei ca. 7,2 mg/dl. Das ist nicht viel über der Obergrenze von 6,8 mg/dl. Offensichtlich genug, um Gichtanfälle zu haben.

Drei Gichtanfälle innerhalb von kurzer Zeit - das war für mich ein deutliches Warnsignal: „Tu was, sonst bekommst du Probleme mit deinen Gelenken".

Neben der akuten Behandlung der Schmerzen, habe ich von meinem Hausarzt ein Informationsblatt erhalten, welche Nahrungsmittel ich vermeiden soll:

  • weniger Fleisch,
  • purinarme Ernährung,
  • Kirschextrakt (hatte ich aus der Zeitung),
  • viel Trinken,
  • wenig Bier. 

Das hab ich nach bestem Wissen umgesetzt.

Die erste Enttäuschung

Ich war gespannt und optimistisch.

Das bringt bestimmt eine Menge, schließlich habe ich viel von den Empfehlungen beherzigt.

Nach drei Wochen Diät kommt die Kontrolluntersuchung.

Das Ergebnis:

7,0 mg/dl Harnsäure - kein spürbarer Fortschritt.

Ich war enttäuscht. Trotz meiner Bemühungen hatte ich keinen Erfolg.

Diese Art der Ernährung ist gesund, die Wirkung ist jedoch schwach.

I. In Sicherheit

Da die Umstellung der Ernährung mich nicht weitergebracht hat und ich keine weiteren Gichtanfälle und dadurch Schäden an meinen Gelenken riskieren wollte, habe ich im Herbst 2015 auf Rat meines Arztes angefangen Harnsäure senkende Medikamente (HsM) zu nehmen.

Das heißt täglich Medikamente einnehmen.

Das hat tatsächlich die gewünschte Wirkung erzielt. Der HS-Wert ging deutlich runter.

II. Die Suche

Dann habe ich mich auf die Suche nach ernährungsmedizinischen Artikeln gemacht und die Ergebnisse zusammengetragen (siehe Dos and Don’ts).

Warum hatten die Empfehlungen meines Arztes bei meinem ersten Versuch zu wenig gebracht?  

Nach und nach habe ich festgestellt, dass es mehr Einflussfaktoren gibt, als in dem Informationsblatt aufgeführt waren.

Wenn man alle Möglichkeiten, die in den Studien beschrieben sind, ausnutzt, kann die Ernährungs-Umstellung einiges bewirken.

Das hat mich neugierig gemacht: meine Ernährungsumstellung war nicht konsequent genug.

III. Ein neuer Start und Selbstversuch

Jetzt will ich einfach wissen, ob das nur Theorie ist oder auch in der Praxis funktioniert.

Wer ist dafür eine geeignete Versuchsperson?

Es meldet sich keiner freiwillig.

Also beschließe ich: "Es kann nur einen geben und das bin ich selbst."

Einige Fragen tauchen auf:

  • Wieviel bringt das?
  • Wie wird diese Zeit, in der ich auf einiges verzichte, was mir lieb ist?
  • Halte ich das durch?

Es geht also los. Aus den Dos und Don’ts habe ich mir eine Checkliste zusammengestellt und für mich Ziele festgelegt, wie und was ich an meiner Ernährung umstelle. Das bedeutet Veränderungen, der Einkaufszettel sieht jetzt anders aus. Außerdem stimme ich mit meinem Arzt ab, dass ich die Tabletten vorübergehend absetze.

VI. Ein neuer Start

Nach zwei, vier und sechs und acht Wochen lasse ich mir Blut abnehmen und den HS-Wert kontrollieren lassen.

Vor den Ergebnissen habe ich Respekt. Ich will nicht wieder enttäuscht werden.

Wie sehen die Ergebnisse dieses Mal aus?

Harnsäurewert im Blut:

5,6 - 6,6 - 6,3 - 6,2 mg/dl.

Das ist ein deutlicher Unterschied. von ca. 7,2 auf durchschnittlich 6, 2 mg/dl.

Das liegt deutlich unter der Obergrenze von 6,8 mg/dl: ich habe mich riesig gefreut.

Selbst mein Arzt ist von dem deutlichen Ergebnis überrascht. Der Einschränkung in der Ernährung steht ein deutlicher Erfolg gegenüber.

Jetzt kann ich meine Medikamente erst einmal absetzten.

Was ist der Unterschied?

Was ist denn der Unterschied zwischen meiner ersten erfolglosen und der dieses Mal erfolgreichen Ernährungsumstellung?

Die wichtigsten Punkte sind:

Die „Dos“ (Kaffee, fettarme Milchprodukte und Vitamin C) sind in den früheren Hinweisen nicht erwähnt.

Da gibt es die Kategorie: "das wirkt sich positiv aus" nicht. Die fehlt einfach.

Bei den "Don'ts" (Alkohol, insbes. Bier, Fleisch, Fruchtzucker) ist u. a. Fruchtzucker nicht erwähnt, dabei spielt dieser eine sehr wichtige Rolle.

Die Mengenangaben für die "Dos und Don'ts" sind in dem Informationsblatt meines Arztes nur angedeutet.

Die "Dos" haben einen nachweislich positiven Effekt.

Das ist als ob jemand eine schwere Karre zieht und hinten schiebt einer mit. Dann geht es leichter. Man greift von zwei Seiten gleichzeitig an.

Die konkreten Mengenangaben zeigen den Zusammenhang auf von: Ursache - Wirkung.

Dadurch kann ich abschätzen: Ich investiere X und bekomme Y. Das ist bei einem sportlichen Ziel genauso. Will ich in der Bezirksliga spielen, trainiere ich mind. 2 - 3 pro Woche. Da komme ich mit einem Training nicht aus.

Mein Resümee

Ich habe mich überwunden, auf Liebgewonnenes verzichtet. Die einfache Struktur der  „Dos & Don’ts“ und die klaren Ziele haben mich motiviert.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Jetzt weiß ich, was bei mir möglich ist und ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.

Ich selbst würde jetzt gerne wissen, bin ich ein glücklicher Einzelfall oder funktioniert das auch bei anderen.

Und, wie geht es Dir?

Habe ich dein Interesse geweckt, eine Ernährungsumstellung selbst auszuprobieren?

Oder lebst du selbst nach einer Diät? Wie sind deine Erfahrungen?

Falls du Fragen hast, wie du das umsetzen kannst, biete ich dir an, dich bei mir zu melden.

Ich unterstütze Dich so gut ich kann.

 

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