Neue Studie stellt fest: Orangensaft senkt Gicht-Risiko

Eine sehr gute Nachricht für Personen mit Gicht oder Hyperurikämie kommt von der Universität Hohenheim. Eine Pressemitteilung vom 21.06.2018 verlautet: “Zucker im Orangensaft: Neue Studien geben Entwarnung.  Saft senkt Gicht-Risiko“1. Denn der Orangensaft senkt den Harnsäurewert im Blut und damit möglicherweise auch das Gicht-Risiko, so das Ergebnis einer Studie. Kannst Du Orangensaft jetzt auf deine persönliche Speisekarte übernehmen? Und sinkt dadurch das Gicht-Risiko?

Soft-Drinks und Fruchtsäfte gelten als Mitverursacher von Gicht. Gilt das auch für Orangensaft?

Ich persönlich stehe Orangensaft sehr skeptisch gegenüber und habe ihn bisher gemieden. Warum? Der Fruchtsaft enthält hohe Mengen an Zucker- und insbesondere Fruchtzucker. Wegen seines hohen Zuckergehalts wird Orangensaft häufig mit gesüßten Softdrinks verglichen und Zuckerkonsum lässt den Harnsäurewert und das Gicht-Risiko steigen. Allerdings enthält dieser Saft auch Vitamine und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Doch was wiegt schwerer, der „schlechte“ Zucker oder die „guten“ Vitamine? Die Aussagen in den Studien waren zweideutig. Ich selbst habe für mich den harnsäuresteigernden Effekt als bedeutender eingeschätzt. Dies ist der Hauptgrund warum ich auf Soft-Drinks, Fruchtsäfte und auch Orangensaft weitgehend verzichte. Diese Studie wirft nun ein genaueres Bild auf den Einfluss von Orangensaft auf den Verlauf von Gicht. Wie kann ich das jetzt einordnen?

Vergleichsstudie: Auswirkung von Orangensaft auf Harnsäurespiegel

Wissenschaftler der Universität Hohenheim untersuchten in einer Studie die Auswirkungen von Orangensaft und im Vergleich dazu von Cola auf den Harnsäurewert. 26 gesunde Erwachsene haben an dieser Studie teilgenommen.

Wenn die Versuchspersonen während zwei Wochen täglich Orangensaft trinken, sinkt der Harnsäurewert um 0,43 ± 0,56 mg/dl. Dazu verzehren die Studienteilnehmer täglich 3 Portionen Orangensaft in Höhe von 400 ml, jeweils 2 Stunden nach der Hauptmahlzeit. Das entspricht 1,2 Litern oder 5 – 6 Gläsern Orangensaft pro Tag. Verglichen wird dies mit Cola. Dazu wird eine vergleichbaren Menge in Bezug auf den Zuckergehalt (1 Liter Cola) getrunken. Bei der Gruppe, die den Orangensaft trinkt, ist der Harnsäurewert nach zwei Wochen gesunken, bei Cola nicht.

Warum sinkt der Harnsäurewert?

Die Forscher der Universität Hohenheim schreiben die harnsäuresenkende Wirkung dem Vitamin C zu. In der Grafik 1 siehst Du den Zucker und Vitamin C Gehalt von Orangensaft. In den 1,2 Litern Orangensaft befinden sich 447 mg Vitamin C. Zudem könnten auch die im Orangensaft beinhaltenen Flavonoide, hier wird das Hesperidin erwähnt, den harnsäuresenkenden Effekt verstärken.

In einer Tabelle werden die Nährstoffe von Cola und Orangensaft verglichen

Wie kannst Du die Qualität der Studie einschätzen?

An der Studie nahmen 26 Personen teil, die zwei Wochen lang Orangensaft und nach einer ein bis zweiwöchigen Auswaschphase eine vergleichbare Menge Cola getrunken haben. Die Studie ist sorgfältig durchgeführt und beschrieben worden. Meine Einschätzung ist, dass diese eine hohe Qualität hat.
Wichtig zu erwähnen ist, dass die Studie durch die Bauman-Gonser-Stiftung gefördert wurde. Diese Stiftung hat den Zweck „die Früchteverwertung in Zusammenarbeit mit öffentlichen und privaten Stellen, insbesondere mit den Berufsverbänden der Fruchtsaftindustrie, in jeder Hinsicht zu fördern“3 Dies ist in den "Conflicts of interest" der Studie offengelegt. Ich halte es für wichtig zu wissen, wer die Studie fördert. Die wissenschaftliche Qualität und die Aussagekraft der Studie sinkt meiner Ansicht nach dadurch nicht. Ich finde es in Ordnung, dass dieser Verband den Nutzen eines seiner Produkte wissenschaftlich erforscht, solange dies transparent ist.

Die Studie beschränkt sich auf Orangensaft, andere Fruchtsäfte, wie z. B. Apfelsaft, wurden nicht mit untersucht. Man kann von Orangensaft nicht auf andere Fruchtsäfte schließen. Hier bieten sich weitere Untersuchungen an, um mehr Klarheit über die richtige Ernährung bei Gicht zu gewinnen.

Die in der Studie verwendeten Mengen an Orangensaft von 1,2 Liter pro Tag übersteigen die übliche Verzehrmenge bei weitem. Diese liegt wohl eher bei 1 – 2 Gläsern pro Tag also bei 0,2 bis 0,4 Litern pro Tag.

Was bedeutet das für Menschen mit Gicht?

Ich bin von dieser Information, als jemand der selbst von Gicht betroffen ist, begeistert. Es ist ein nützliches Ergebnis, denn frühere Studien hatten gezeigt, dass bei Personen, die regelmäßig Soft-Drinks oder Fruchtsäfte trinken, die Harnsäure und das Gicht-Risiko zunehmen, so wie in dem Beitrag "Lebensmittel, die Du bei Gicht vermeiden solltest" bereits beschrieben wurde. Für Orangensaft ist das durch diese Studie widerlegt. Die Studie beschränkt sich auf Orangensaft, auf andere Fruchtsäfte, wie z. B. Apfelsaft, lassen sich die Ergebnisse nicht übertragen.

Was bedeutet das für meine Ernährung?

Orangensaft enthält mehrere Inhaltsstoffe, die deine Gesundheit fördern, daher sollte dieser Fruchtsaft nicht nur auf seinen Zuckergehalt reduziert werden. Viele Inhaltsstoffe können deine Gesundheit positiv beeinflussen. Die Wissenschaftler ziehen den Schluss, dass Orangensaft als eine „wertvolle Ergänzung zu einer Mahlzeit betrachtet werden kann“. Empfohlen wird der Verzehr begleitend zu einer Mahlzeit.

Die übliche Verzehrmenge von 1 – 2 Glas Orangensaft – mehr werde ich auch nicht trinken – ist deutlich niedriger, als die in der Studie verwendete Menge (5 – 6 Gläser). Also wird auch die harnsäuresenkende Wirkung entsprechend geringer ausfallen. Die Studie selbst ist bei einer Aussage, ob Orangensaft, das Gicht-Risiko senkt, vorsichtiger: „do not increase the risk of gout“ – also erhöht das Gicht-Risiko nicht2, als die o. g. Pressemitteilung.

Fazit

Für mich kommt Orangensaft wieder auf meinen persönlichen Speisezettel und ich werden diesen trinken, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich freue mich darüber, denn meinen Nahrungskorb ist um ein Lebensmittel reicher geworden, das ich uneingeschränkt und bedenkenlos und zu mir nehmen kann.

Du interessierst Dich für Ernährung bei Gicht und wie stark die Wirkung ist, wenn Du Deine Ernährung bei Gicht bewusst umstellst? Dann empfehle ich Dir den Beitrag „Wie stark ist der Einfluss der Ernährung auf Gicht? Ein Selbstversuch.“

Literatur

1 https://www.uni-kiel.de/de/universitaet/detailansicht/news/zucker-im-orangensaft-neue-studien-geben-entwarnung-saft-senkt-gicht-risiko/

2 https://doi.org/10.1016/j.clnu.2018.02.028

3 https://www.hs-geisenheim.de/hochschule/foerderungen-und-fundraising/stiftungen/bauman-gonser-stiftung/#

5.00 avg. rating (89% score) - 1 vote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.