Ist purinarme Kost bei Gicht überholt?

Möchten Sie sich über Ernährung bei Gicht informieren?

Sei es bei Ihrem Arzt oder im Internet, werden Sie mit Sicherheit auf diese Empfehlung stoßen:

Ernähren Sie sich purinarm und vermeiden Sie purinreiche Lebensmittel!

Ist diese Empfehlung überhaupt noch aktuell? 

Und was bedeutet das eigentlich? ... Purine?

In diesem Artikel wird erklärt, was Purine sind und ob es Sinn macht bei Gicht oder Hyperurikämie mit dem Purinzählen anzufangen.

Was sind Purine überhaupt?

Purine sind wichtige Bestandteile des Erbguts (in der DNA) und somit in den Körperzellen jedes Lebewesens zu finden.

Sie sind sowohl in unserem eigenen Körper als auch in den meisten Nahrungsmittel enthalten - siehe auch; "Wie kommt es zu einem erhöhten Harnsäurewert?".

Purine werden im Stoffwechsel zu Harnsäure abgebaut und vom Körper ausgeschieden.

Ein zu hoher Harnsäurespiegel wird medizinisch als Hyperurikämie bezeichnet und kann zu Gicht führen.

Warum und wie das geschieht ist in dem Video "Oh Gicht! Was ist das?" an der Stelle 1:00 min - 1:45 min beschrieben.

Purine kommen nicht nur in tierischen, sondern auch in pflanzlichen Lebensmitteln vor, wie z.B. Spargel, Erbsen und Bohnen usw. vor.

Was bedeutet purinarme Ernährung?

Bei einer gemäßigt purinarmen Kost werden weniger als 500 mg Harnsäure pro Tag und maximal 3000 mg pro Woche in der Nahrung empfohlen.

Bei einer streng purinarmen Kost, weniger als 350 mg Harnsäure pro Tag.

Um sich purinarm zu ernähren, ist es erforderlich, die Purine, die sich in der Nahrung befinden, zu ermitteln, d. h. Sie müssen die Purine "zählen".

Purinzählen

Wenn Sie das Purinzählen genau nehmen, müssen Sie jedes verzehrte Lebensmittel notieren und die einzelnen Purin- und Harnsäuregehalte addieren.

Dies ist, genau wie das Kalorienzählen beim Abnehmen, wenig alltagstauglich und nimmt viel Zeit in Anspruch.

Darüber hinaus müssen die Angaben zu Purinen und Harnsäure in Lebensmitteltabellen unter Vorbehalt betrachtet werden, denn je nach Art der Lebensmittelzubereitung und -lagerung schwanken die Werte.

Bei langer Lagerung steigen beispielsweise die Puringehalte in Fleisch und Fisch.

Purinreiche Lebensmittel sind insbesondere Fisch, Fleisch, Wurst, Innereien und Meeresfrüchte.

Auch verschiedene Gemüse können eine hohe Konzentration an Purinen enthalten.

Dazu zählen die Hülsenfrüchte: Bohnen, Erbsen, Linsen, sowie Soja. Auch Hefe beinhaltet einen hohen Anteil an Purinen.

Veraltete Empfehlung

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, als auch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie stellen in ihren Leitlinien die Bedeutung einer konsequent purinarmen Kost bei Gicht heraus, darin eingeschlossen auch purinreiches Gemüse und Sojaprodukte.

Hierbei wären Sie, als Gichtbetroffener, in Ihrer Gemüseauswahl sehr eingeschränkt, obwohl wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass diese Gemüsesorten keine negativen Auswirkungen nach sich ziehen.

Aktuelle wissenschaftliche Situation

Die gegenwärtige Studienlage zeigt, dass purinreiche pflanzliche Lebensmittel keinen Einfluss auf den Harnsäurespiegel haben und dass kein erhöhtes Gichtrisiko beim Verzehr festgestellt werden kann.

Weshalb die Empfehlung purinarm zu essen eigentlich nur für purinreiche tierische Lebensmittel und für Bier gilt.

Angesichts dieser Tatsache scheinen die Leitlinien überholt zu sein und es geht einfacher.

Besser geeignet für die Ernährung bei Gicht sind die Dos und Don´ts.

Zusammenfassend

Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle im Leben. Sie umfasst nicht nur das Stillen des Hungers, sondern auch gesundheitliche und soziale Aspekt, wie die Mahlzeiten mit Familie oder ein Besuch im Restaurant.

Damit diese Aspekte alle berücksichtigt werden, können Sie sich als Gicht- oder Hyperurikämiepatient das lästige Purinzählen sparen, wenn Sie sich an den Do´s und Don´ts orientieren.

Dabei ist Ihre Gemüsevielfalt nicht eingeschränkt, es gibt keine geschmacklichen Einbußen und dem gemütlichen Familienessen steht auch nichts im Wege.

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