Ist eine Gicht Diät Gefängnis oder Freiheit?

Ist eine Gicht-Diät Gefängnis oder Freiheit?

In den beiden vorhergehenden Blog-Artikeln hab ich geschildert, was ich mit einer Ernährungsumstellung erreichen kann und wie ich das bei mir selbst umsetze.

Was ist meine Schlussfolgerung? Engt mich das in meinem Leben zu sehr ein? Oder gewinne ich dadurch eine neue Freiheit?

Welche Schlussfolgerungen ziehe ich aus den Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe?

Warum habe ich harnsäuresenkende Medikamente genommen?

Ich habe ungefähr eineinhalb Jahre Harnsäuresenkende Medikament genommen. Das war mir zu diesem Zeitpunkt sehr wichtig und ich denke auch richtig. Warum?

Dafür gibt es drei Gründe:
  1. habe ich mit der sog. purinarmen Ernährung bei Gicht keinen Erfolg gehabt. Der Harnsäurewert war nicht ausreichend gesunken.
  2. hatte ich mehrere Gichtanfälle in kürzeren Abständen als zuvor. Der erste und der zweite Gichtanfall lagen über ein Jahr auseinander. Jetzt waren es drei innerhalb von fünf Monaten. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gespürt, dass ich das nicht wollte. Ich konnte nicht mehr Joggen gehen und meine Fitness nicht mehr aufrecht erhalten.
  3. kann sich ein höherer Harnsäurewert bei gleichzeitigen Gichtanfällen negativ auf die Nierenfunktion und das Herz-Kreislaufsystem auswirken.

Sowohl die Einschränkung meiner Fitness als auch weitere Gesundheitsrisiken wollte ich nicht in Kauf nehmen.

Was hat mich an der Einnahme der Medikamente gestört?

Nun, ich bin nicht mehr ganz jung (das steht auch irgendwo auf der Webseite).

Täglich Tabletten zu nehmen fühlt sich irgendwie alt und krank an. Besonders wenn die Aussicht besteht, diese über lange Zeit zu nehmen. Es ist etwas anderes, ob ich Vitamintabletten nehme, das ist Bequemlichkeit, das tue ich freiwillig. Das ist meine Entscheidung. Medikamente als Lebensform ist das nicht der Idealzustand. Das mache ich nur, wenn es sein muss.

Was hat mich bewogen meine Ernährung erneut umzustellen?

Eigentlich war es ein Zufall, dass ich angefangen habe, mich intensiver mit der Ernährung bei Gicht zu befassen.

Nachdem ich auf die Dos und Don’ts gestoßen bin, habe ich jedem davon erzählt.

Irgendwann sagte einer: „Du sagst man soll bei Gicht kein Fleisch essen, aber du hältst dich selbst nicht dran. Darum hast du noch Gicht.“

Oh, hat mich das geärgert. Aber ich wusste: er hat Recht. Auch wenn ich das nicht zugegeben habe.

Nachdem das einige Monate in mir gegärt hat, und ich mir die Möglichkeiten, die laut Literatur in den Dos und Don’ts stecken vor Augen geführt habe, ist der Entschluss in mir gereift.

Ich mach‘s. Ich will es wissen.

Das Ergebnis kannte ich nicht. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Dos und Don’ts beziehen sich immer auf die isolierten Nahrungsmittel. Der Einfluss von Fleisch, von Vitamin C usw. Aber es gibt keine Versuche oder Studien zu der Kombination dieser verschiedenen Maßnahmen.

Jetzt kenne ich das Ergebnis. Nach meiner eigenen Erfahrung lassen sich die verschiedenen Dos und Don’ts miteinander kombinieren. Bei mir sinkt der Harnsäurewert um ca. 1 mg/dl, d. h. auf 6,2 mg/dl.

Um das klarzustellen. Ein wissenschaftlicher Beweis ist das nicht. Ich bin ein Einzelfall, bei mir funktioniert es. Bei mir sinkt der HS-Wert unter die kritische Schwelle. Es sind viele solcher „Versuche“ nötig, um daraus eine allgemeingültige Aussage abzuleiten.

Dennoch bin ich sehr optimistisch, dass eine Ernährungsumstellung auf diese Art auch bei dir eine positive Auswirkung haben kann. Dabei ist wichtig zu prüfen (am besten mit deinem Arzt), ob das ausreicht oder ob dennoch harnsäuresenkende Medikamente notwendig sind.

Was stört mich an dieser Gicht-Diät?

Es ist eine Einschränkung in der Freiheit zu Essen und zu Trinken wonach mir gerade ist. Da kann ich nicht drumherum reden.
Wenn ich demnächst zu einer Geburtstagsfeier eingeladen bin und es gibt leckeren Kuchen und habe bereits mehrere Genusstage genutzt, dann treffe ich eine Entscheidung. Lacht mich in unserer Kantine ein Schnitzel mit Pommes an, dann treffe ich erneut eine Entscheidung.

Ist eine Gicht-Diät nun Freiheit oder Gefängnis?

Ich sehe das so. Ich habe sowohl das eine als auch das andere gelebt. Jedes hat seine Zeit.

Medikamente haben Vor- und Nachteile. Sie können in einer Phase eine gute und richtige Maßnahme sein.

Eine Ernährungsumstellung hat Vor- und Nachteile. Ich kann auf Medikamente verzichten bzw. die Dosis verringern. Dabei Verzichte ich auf verschiedene Speisen.

Dadurch das ich jetzt weiß, was eine Ernährungsumstellung bei mir bewirkt, habe ich neben Medikamenten eine zusätzliche Handlungsmöglichkeit. Ich kann mich jetzt entscheiden: Medikamente oder Gicht-Diät. Damit habe ich meinen Handlungsspielraum erweitert und mir ein Stück Freiheit erobert.

 

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