Harnsäurewert langfristig mit Medikamenten senken

Das Thema „Wie kann ich meinen Harnsäurewert langfristig senken?“ liegt mir besonders am Herz. Denn es ist das Thema, mit dem ich mich, da ich von Gicht betroffen bin, am meisten beschäftige. Der Gichtanfall ist vorbei. Was mach ich jetzt?

In meinem letzten Artikel „Akuter Gichtanfall: Was hilft mit gegen die Schmerzen?habe ich beschrieben, wie ein Gichtanfall behandelt wird. In diesem Artikel beschreibe ich, welche Möglichkeiten es für eine harnsäuresenkende Therapie gibt.

Hattest Du bereits einen oder mehrere Gichtanfälle? Bei Dir wurden Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Tophi) festgestellt? Dein Harnsäurewert ist deutlich erhöht? In diesen Fällen wird eine langfristige harnsäuresenkende Therapie empfohlen (Deutsche Rheumatologen). Eine Möglichkeit, um den Harnsäurewert zu senken ist es, entsprechende Medikamente über einen längeren Zeitraum einzunehmen.

Welche Arten von Medikamenten gibt es?

Bereits seit vielen Jahren gibt es verschiedene Medikamente, die sich in die folgende Klassen gliedern:

  1. Urikostatika hemmen die Bildung von Harnsäure,  z. B. die Medikamente Allopurinol oder Febuxostat (Handelsname Adenuric).
  2. Urikosurika regen die Nieren dazu an, vermehrt Harnsäure auszuscheiden z. B. Benzbromaron oder Probenecid.
  3. Uricase ist ein Enzym und wandelt Harnsäure in Allantoin um, welches als eine Art Abfallprodukt vom Körper über die Nieren ausgeschieden werden kann.

Am häufigsten wird Allopurinol von den Ärzten verschrieben und ist ein recht bekanntes Medikament. Es hemmt den Abbau von Purinen zu Harnsäure. Somit sinkt die Harnsäurekonzentration im Blut. Allopurinol ist also ein geeignetes Präparat, das nach oder sogar schon während einem akuten Gichteinfall eingenommen werden kann, um den erhöhten Harnsäurewert wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Es ist sehr wirksam und in den meisten Fällen gut verträglich. In Fällen von Unverträglichkeiten, Allergien oder Erfolglosigkeit der Behandlung mit Allopurinol, wird mit anderen Wirkstoffen therapiert.

Adenuric (enthält den Wirkstoff Febuxostat ) ist eine wirksame Alternative zum o. g. Allopurinol und wirkt in ähnlicher Weise: Es verringert die Harnsäurebildung. Das Medikament wandelt Harnsäure in Abbauprodukte, wie Hypoxanthin oder Xanthin um, welche problemlos über die Nieren ausgeschieden werden können. Das Medikament selbst wird wiederum über die Leber abgebaut. Adenuric ist etwas verträglicher und hat weniger Wechselwirkungen, wenn es darum geht, dass jemand mehrere Medikamente parallel einnehmen muss. In der Regel reichen 80g pro Tag (Allopurinol=300g/Tag im Vergleich).

Bei Benzbromaron, einem Urikosurikum, sollte die Therapie langsam und niedrig dosiert beginnen (20mg/Tag). Zudem ist darauf zu achten, dass genügend Flüssigkeit dem Organismus zugeführt wird, da das Medikament eine harntreibende Wirkung aufweist. Es reduziert entsprechend den Harnsäurewert, weil es die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren fördert.

Ähnlich wirkt auch das Urikosurikum Probenecid. Ebenfalls wird die Ausscheidung von Harnsäure gefördert, allerdings wird gleichzeitig die Ausscheidung anderer Stoffe und Medikamente reduziert.

Es gibt Patienten, die mit den gängigen Mitteln nicht ausreichend behandelt werden können. In diesen Fällen greifen die Ärzte auf das Enzym Uricase (Handelsname Pegloticase) zurück. Das in den Körper eingeschleuste Enzym, wandelt Harnsäure in Allantoin um, was wesentlich leichter ausgeschieden werden kann.

Bereite Dich auf einen Arztbesuch vor und suche Dir eine Praxis, die bereit ist, sich für die Beratung wirklich Zeit zu nehmen. Auch wenn Arztbesuche alles andere als schön sind und wir immer das Gefühl haben „dafür habe ich gar keine Zeit“, solltest Du Dir eben diese Zeit nehmen und die Ärzte nicht scheuen. Je schneller Du Dich beraten lässt, umso besser und Du kannst Deine Gedanken wieder auf andere Dinge im Alltag lenken.

Was spricht dafür Medikamente einzunehmen?

In erster Linie ist es wichtig, dass Deine Gicht behandelt wird,sonst kann es zu Folgeproblemen kommen. Die Gicht kann chronisch werden und Deine Gelenke können dauerhaft Schaden nehmen. Gicht hat einen nachteiligen Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. Dafür sind Medikamente, die den Harnsäurewert im Blut senken, ein erprobtes Mittel. Zudem gibt es verschiedene Arten (s.o.), die in unterschiedliche Bedingungen angewendet werden und auf Deine persönliche Situation angewendet werden können.

Wie lange sollten Medikamente eingenommen werden?

Wenn Dein Arzt mit Dir eine Behandlung mit Medikamenten abgestimmt hat, solltest Du Dich auch daran halten. Harnsäuresenkende Medikamente wirken am besten, wenn diese regelmäßig und langfristig eingenommen werden, anders als z. B. Schmerzmittel.

Wenn Du das Gefühl hast, dass es Dir wieder gut geht, brich die medikamentöse Therapie nicht einfach ab, frei nach dem Motto „mir geht es ja wieder gut“. Wenn Du die Einnahme von harnsäuresenkenden Medikamenten absetzt, kann sich der Harnsäurewert schnell wieder erhöhen. Plane daher bewusst die nächsten Schritte, die Du gehen möchtest, um Deine Gesundheit aufrecht zu erhalten. Wenn Du die Medikamente nicht mehr nehmen möchtest, stimme Dich am besten mit deinem Arzt ab.

Was kannst Du selbst tun, um Dich gesünder zu fühlen?

Erstens:Deine Gesundheit liegt Dir am Herzen. Darum beschäftigst Du Dich damit und liest Artikel wie diesen. Das ist das Wichtigste, was Du tun kannst.

Zweitens: Es liegt eigentlich immer in Deiner Hand. Du hast die Chance, selbst Einfluss auf Deine Gesundheit zu nehmen, Du darfst sie nutzen. Das heißt, wenn Du vom Arzt eine medikamentöse Therapie verschrieben bekommen hast, dann ist es Deine Entscheidung, die Medizin auch tatsächlich einzunehmen. Allein das umzusetzen, was der Arzt Dir gesagt und verordnet hat, ist ein Gedanke, mit dem Du Dich erst einmal anfreunden musst. Was Du jetzt für Dich tun kannst, ist Dich daran zu halten und die Therapie nicht frühzeitig ohne Absprache abzubrechen.

Drittens: stelle Deine Ernährung und Lebensweise um. Es klingt so simpel und fällt doch so schwer, aber auch an dieser Stelle hast Du das Potenzial selbst in der Hand, ob Du Dich für eine auf Deine Situation individuell abgestimmte Ernährung einlässt oder nicht. Ich habe bereits in mehreren Blogbeiträgen über Ernährung aufgeklärt und Dir eine gute Orientierung gegeben, welche Lebensmittel Dir gut tun und welche das Risiko eines weiteren Gichtanfalls erhöhen. Das Wichtige ist zunächst zu begreifen, dass Du über die Ernährung ein Instrument in der Hand hast, das Du für Dich nutzen kannst. Es wird Dir langfristig besser gehen, egal ob mit oder ohne aktueller medikamentöser Behandlung. Ich selbst habe nach einiger Zeit die Behandlung mit Medikamenten abgesetzt und meine Ernährung umgestellt. Das ist vielleicht auch in Deinem Fall möglich.

Bleibe in Bewegung. Auch wenn gerade beim Thema Sport oftmals gegen den inneren Schweinehund angekämpft werden muss, möchte ich Dir mit den auf den Weg geben, dass es Dir besser gehen wird, wenn Du regelmäßig Sport machst. In einem weiteren Artikel werde ich auf dieses Thema eingehen.

Zusammenfassend

Fakt ist, dass Medikamente helfen den Harnsäurewert langfristig zu senken, sodass keine weiteren Symptome für Gicht oder Gichtanfälle eintreten müssen. Ob eine medikamentöse Gichttherapie bei Dir in Frage kommt und für welche Dauer, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Idealerweise bleibst Du mit Deinem Arzt im engen Kontakt und besprichst die gesamte Behandlung inklusive Dauer sowie über die Ernährung und Sport. Nimm Dir Zeit für Dich und Deine Gesundheit. Wäge selbst ab, ob für Dich eine speziell an die Gicht angepasste Ernährung und Sport in Frage kommen. Jedenfalls kann ich dies nur empfehlen, da in jedem Fall dadurch das Gichtrisiko sinkt und es vorteilhaft für Deine Gesundheit ist.

Falls Du interessiert bist, findest Du hier die Leitlinien der Rheumatologen zur Behandlung von Gicht:

  1. Klitz, U, Alten, R. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.(DGRh), Gichtarthritis (fachärztlich), 2016, 1 – 104. Verfügbar unter: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/060-005l_S2e_Gichtarthritis_2016-08.pdf
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